Wenn Viere eine Reise tun – Mit Kindern im Elsass

Die gute Strategie und der Plan B

Reisen mit Kindern will geplant sein. Minutiös geplant. Vor allem, wenn eines der beiden Kinder noch ein Baby ist. In meinem Kopf spielt sich das Planen dann in etwa so ab: „Also. Wenn wir pünktlich um 09.30 losfahren, hält das kleine E eine gemütliche Stunde vor sich hin brabbelnd durch. Danach kann ich es noch ein Weilchen ablenken, bis es dann beim obligatorischen Vormittagsfläschchen gegen 11 Uhr sanft entschlummert und – mit etwas Glück – zwei Stunden schläft. Damit wären wir bei 3,5 Stunden Fahrt, was schon der Hälfte der Strecke bis Obernai im Elsass entspricht. Wenn wir dann die Mittagspause einlegen, für sagen wir Mal anderthalb Stunden, dann könnte sich das Ganze mit Spielen, Ablenken, Schlafen noch einmal genau so in der Reihenfolge wiederholen und wir wären um 18.00 Uhr ganz entspannt am Ziel.“ Ja, das klang nach einer richtig guten Strategie. Das fand auch mein Mann, nachdem ich mit ihm den Schlacht… – ähm … den Fahrplan am Abend vor dem Reisetag noch einmal durchgegangen bin. Ja, so könnte es klappen. Von wegen, mit Kindern lässt es sich nicht so weit in den Urlaub fahren. Tztz. Alles, was es braucht, ist ein guter Plan!

Dachten wir.

10.45 – das Packen hat länger gedauert. Ein zum Bersten vollgepackter Volvo zwängt sich endlich die schmale Ausfahrt hinaus. Das E schläft auf die Sekunde ein, was so rein gar nicht dem Zeitplan entspricht. Jedoch schläft es nur so lange, bis wir nach knapp einer Stunde – noch innerhalb unserer Landesgrenzen! – im Stau stehen. Das kleine und das große E quängeln ein wenig. Ich auch. Das Schimpfen des Mannes hat bereits Fluch-Tendenz, immerhin noch 6-jährigen-kompatibel. Ich nehme das kleine E auf den Arm, steige aus dem Auto um einmal tief durchzuatmen. Mit Baby im Arm stehe ich bei Nieselregen im grauen Stau, mitten in der LKW-Luft und die Strategie … war futsch.

Zeit für Plan B. Wann immer etwas gut Ausgeklügeltes zu scheiten droht (und zugegeben – das kommt in meinem Leben mittlerweile häufiger vor, als mir lieb ist), greife ich – zack – einfach auf dieses B zurück, das da lautet: „Scheiß drauf. Jetzt läuft´s halt wie es läuft.“

Und das tat es dann auch. Zwei überaus brave und offenbar sehr schlafwillige Kinder schlummerten sich durch Staus und Regen, ignorierten dösend jeden Zeitplan, schnarchten auf  jeglichen Rhythmus und um 18.30 Uhr – wie auch immer das geklappt hat! – waren wir in Obernai. Am Ziel. Im Urlaub. Von wegen, mit Kindern lässt es sich nicht so weit in den Urlaub fahren. Alles, was es braucht, ist Gelassenheit. Und ein Quäntchen Glück!

Oh la la – C´est très francaise!

Obernai. Die schnuckeligsten Fachwerkhäuschen säumen die Straßen, aus ihren Fenstern dringt Licht, es dämmert schließlich bereits und der Himmel ist wolkenverhangen. Leute mit Baguettes über der Schulter oder unterm Arm laufen durch den Nieselregen und ich finde das lustig. In Italien laufen ja auch nicht alle mit Pizza-Ecken in der Hand rum, die Franzosen scheinen ihre Klischees sehr ernst zu nehmen. „Wenn es stärker regnet, knicken die Brote aufgeweicht ab.“ sagt das große E. Stimmt. Ich schmunzle. Unsere Air B&B Wohnung ist im Innen so süß, wie man sich das von draußen vorgestellt hat. Und die Vermieterin hat ein Schnütchen und heißt Veronique. C`est tout très chic! „Wir haben sogar eine Badewanne in unserem Schlafzimmer.“ stelle ich fest und zwinkere meinem Mann zu. Ob das unsere Chance für einen Hauch Romantique sein sollte? Nun. Nur wenig später sitze ich mit zwei plantschenden, spritzenden und vor Vergnügen quietschenden Es in der Schaumwanne. Nicht ganz sooo romantisch wie ich mir das gerade vorgestellt hatte. Aber lustig. 🙂

Am Morgen machte ich mich auf, um auch so ein Klischee-Baguette zu ergattern und es mir sehr französisch unter den Arm zu klemmen. Und Pains au chocolates und Croissants und alles was zu einem original französischen Frühstück dazu gehört besorgte ich uns auch. Dabei kramte ich in den hintersten Schubladen meines Gehirns nach verstaubten Französischvokabeln und wurde fündig. Hach, was war ich doch französisch! Und wie sie einen alle mit „Mademoiselle“ ansprechen … man fühlt sich schon sowas von oh la la. Ich spazierte in das schnuckeligste aller Cafés, um dort – natürlich – einen Café au lait zu bestellen und den anderen Franzosen beim Zeitungdurchrascheln zuzusehen.

Strassbourg & Colmar – Cityhopping mit Kids

In Straßbourg befindet sich La Petite France, in Colmar gibt es La Petite Venice. Und irgendwie finde ich alles, was petite ist im Elsass einfach zum Dahinschmelzen niedlich. Die Fachwerkhäuschen versuchten sich im Bunt ihrer Fassaden zu übertreffen, die Gassen wurden zunehmend winkeliger, petite Wolken hüpfen über den petite Fluss. In Straßbourg fanden wir endlich eine Tarte Flambeé für die Maman, Hamburger für die Männer und die Zwiebelringe meiner Tarte für das kleine E, das überhaupt immer alles mampft, was man Klein-Madame so vor das Näschen hält, ganz egal welcher Nationalité. Der Strassburger Dom erweckte bei beiden Kindern sichtlich Eindruck, dafür musste Maman danach mit aufs Karussell (und sich aber nicht zu sehr darüber freuen, weil das dem 6jährigen sonst peinlich ist). Leider hat das Museum für moderne Kunst geschlossen (ja, auch das hätten wir mit so städtetauglichen Kindern gewagt!) und switchen also das Nachmittags-Programm auf blödsinnig-lustige Halloween-Artikel kaufen, im Bonbonladen gebrannte Mandeln mit Zimt-, Ingwer- und Minzgeschmack (igitt) verkosten und natürlich: neue Outfits shoppen!!

Für die Kinder.

Logisch.

Das Geheimnis von Petite Pierre Teil 2

Es gibt Orte, an denen man durch einen merkwürdigen Zufall landet, wenn man denn an Zufall glauben mag, und an denen man irgendwie ein wenig zu schnell vorüberfliegt und sich also verspricht, einmal wiederzukehren, um den Zauber ganz auf sich wirken zu lassen. La Petite-Pierre – dieses winzige Dörfchen im riesigen Vogesen-Wald war genau so ein Ort. Nun, ein paar Jahre später, war ich wieder hier. Dieses Mal mit Familie. Und ich freute mich nun, den Dreien diese Magie zu zeigen, von der ich so oft erzählt hatte.

Nach einem Spaziergang durch den weiten, vogesischen, vor Spätherbstregen triefenden Farbenwald, besuchten wir das Maison des Paiens, das Heidenhaus. Das Renaissancegebäude aus dem 16. Jh., das in einem verwunschenen Garten steht, vor eindrucksvoller Waldhügelkulisse, war einst Sommerresidenz eines Malers, was man gut nachvollziehen konnte. Alles an diesem Häuschen war inspirierend.

Schließlich stand uns der Sinn nach einer der zahllosen französischen Patisserien und ja, dieses Mal hatte ich Glück und das mysteriöse kleine Cafè Les Jardins D’Utopia war geöffnet und zwei Hexenfrauen (so mein großes E und damit hatte es wohl auch nicht ganz Unrecht) brachten uns Quiches und Tartes und heiße Schokolade. Wir besuchten noch das alte „Städtel“ mit dem Schloss Lützelstein … und ließen unsere Blicke ein ums andere Mal über die farbig flammenden Waldhügel schweifen. Das große E entdeckte ein Eichhörnchen, ich entdeckte Ruhe.

Was guten Urlaub ausmacht

Wir wären alle 4 gerne noch ein wenig länger geblieben. Das Elsass will in Ruhe entdeckt werden, es braucht Zeit. Vieles – wie das mit Frankreich und den Franzosen nun mal so ist – erschließt sich dem Besucher erst auf den zweiten Blick bzw. bei näherem Betrachten. Aber nicht nur deswegen hätten wir gerne um ein paar Tage reiseverlängert. Sondern wegen des wunderbar angenehmen Gefühls mal wieder reichlich Zeit füreinander zu haben. Zusammen auch mal … einfach nichts zu tun. Mit dem großen E an bunten Mandalas malen. Mit dem kleinen E durch die Urlaubswohnung krabbeln – und sich mit dem Mann zu freuen, dass alles so sein darf, wie es ist. Das macht guten Urlaub aus.

Und elsässischer Wein.

Logisch.

Auch der macht guten Urlaub aus.

 

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