Überlistet

Manchmal
fühlt sich mein Leben
wie eine einzige lange Liste an.

Ja, mein Leben besteht doch nur mehr aus

Aufgabenlisten
und
Ausgabenlisten,

Einkaufslisten
und
Eintauschlisten,

Bestelllisten
und
Bestsellerlisten,

Materiallisten
und
Materialisten.

Materie listen.

Mein Leben besteht doch nur mehr

aus Listen voller To Dos und voller Musts,
voller Tu-du`s, weil du doch irgendwie
immer alles schaffst,
aus Listen von Uhrzeiten und Verbindlichkeiten,
aus Listen von Terminen und Dingen, zu erledigen beizeiten.
Da gibt es Listen von Fragen, aber so wenig Antworten –
all diese Listen zu ertragen, schreit nach so viel Verantwortung!

Sie kleben dreist am Kühlschrank und verdecken sich gegenseitig,
sie büroklammern sich in Notizbücher, wo sie sich gar schon streiten,
nämlich darüber, wer wichtiger ist,
darüber, was man besser nicht vergisst.
Sie zwängen sich
fein säuberlich
in digitale Ordner,
sie vermehren sich
ungeheuerlich –
das ist doch nicht in Ordnung!
Ich kann Bulletpoints schon nicht mehr seh`n!
Was ist das für ein Listenleben –
das kann so nicht weitergeh`n!
Wer kann so viele Aufgaben denn noch ertragen?
Es ist Zeit den Listen den Kampf anzusagen
und die Listen
zu überlisten.

Dieser Stress, er lässt mich schwitzen.
Ach könnt` ich doch einfach auf English switchen!
In eine Sprache in der listen „höre“ heißt.
Ja, so war ich immer schon … an komischen Ideen reich.
So, listen.
Listen to the music, to the rhythm, to the heartbeat.
Hör auf das, was du fühlst,
weil das Herz am besten sieht,
hör nicht auf die anderen, listen to yourself,
ließen wir das Listen sein –
viel schöner wär`die Welt!

Augenblicklich meldet sich
mein pragmatischeres Ich
mit „Du, ich hab` da was für dich!
Um deinen Listenstress zu dämpfen
gilt es Gleiches mit Gleichem zu bekämpfen!
Denn wie das Sprichwort es schon sagt:
kannst du etwas nicht besiegen,
musst du lernen es zu lieben.“

Ja, da ist was Wahres dran,
denk´ ich mir
und fang´ gleich an
lauter schöne Dinge in Listen zu packen.
Ab heute liste ich nur noch schöne Sachen!

Ich mache die Pflicht-Liste
zur Heute-sicher-nicht-Liste,
die To-Do-Liste
zu einer Juhu-Liste,
die Liste mit Namen „Was du heute kannst besorgen“
tauf` ich einfach um in „Das geht bestimmt auch morgen“
und eine vierte, die da „Dringend“ heißt,
find` ich ganz besonders dreist
und benenn´ auch diese lieber um,
sie heißt ab heute einfach „dumm“.

Ich liste ab jetzt nur noch schöne Sachen!
5 Dinge, die mich wirklich glücklich machen!
3 Komplimente, die ich dir mal machen wollte,
10 verrückte Sachen, die ich ausprobieren sollte.
5 Begebenheiten, die mir in den letzten Tagen
so richtig Freude bereitet haben,
10 Dinge, die ich an mir mag,
die 3 Worte, die ich am liebsten sag.
7 Menschen, die mir wirklich wichtig sind
und 5 Bücher, die ich inspirierend find`.
8 zauberhafte Sachen, die man viel zu selten macht,
und haufenweise Witze, über die man immer lacht,

3 Geheimnisse, die ich noch keinem gesagt,
5 Dinge, die ich mir nie zu träumen gewagt.
Ich liste meine Lieblingsspeisen,
meine letzten schönen Reisen,
meine Erinnerungen mit dir
und was ich fühle,
jetzt
und hier.

Ach was könnt`es Schöneres geben,
als so ein echtes Listenleben?
Vorüber ist der Listenfrust
ich hab` sogar richtig Lust,
Listenpunkte anzugeh`n …

na, dann woll`n wir doch mal seh`n.

Ich nehm` meine Lieblingsliste zu Hand
und bin jetzt selber ganz gespannt,
weil der Listentitel heißt:
Einmal im Leben.

Einmal im Leben die Nordlichter seh`n.

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One thought on “Überlistet

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