MUTTERNACHT

 

Mamasein ist wunderschön,

doch bedeutet es auch voll im Leben zu steh`n.

Womit man es vergleichen kann?

Mein Alltag fühlt sich oft wie ein Ozean an.

Mal schäumen die Wogen, mal spiegelt das Meer,

noch weht sanft eine Brise, schon kommt Sturm daher.

Und im Endlosgewässer, mal rauschend, mal leise,

begibt sich ein Schiff auf Abenteuerreise.

Und wir Mütter, wir sind die Matrosen,

wie wir da rudern und lenken und lotsen,

wir stehen am Steuer und trotzen dem Wind,

suchen sicheren Hafen, für dich, liebes Kind.

 

Doch es gibt sie die Momente,

wo das Schiff schon droht zu kentern,

weil man kurz vom Kurs abdriftet,

und weit und breit kein Land mehr sichtet –

da geht auch der stärkste Matrose k.o. –

und der Tag beginnt in etwa so:

 

Ein Schnuller im Nasenloch weckt einen auf,

das Baby liegt quer auf einem drauf,

und als man sich aus dem Bett begibt,

auf die Stelle tritt wo das Lego liegt,

unterdrückt man gekonnt den Schmerzensschrei,

dafür brüllt das Baby jetzt nach Brei.

 

Da hat man als erstes an Kaffee gedacht

und aus lauter Gewohnheit ein Fläschchen gemacht.

Beim ersten in den Spiegel Schauen

überkommt einen leises Grauen:

Zu lang ist er her, der Termin beim Frisör,

Die Augenlider, zum Heben zu schwer.

 

Ich begleite die Wäsche noch zur Schule,

räum das Kind noch in die Truhe,

bring` den Laptop in den Kindergarten

und drücke auf ON, um mein Baby zu starten –

und dann halt` ich doch kurz inne:

Irgendwas scheint hier nicht zu stimmen.

 

System overload – es ist wieder soweit –

ich zücke mein Handy und ich schreib`

den Mama-Freundinnen per whatsapp:

„Eine Auszeit wär` mal ganz nett.“

Die Antwort kommt

kurz und prompt:

„Ich muss auch mal wieder raus

– komm wir geh`n heut‘ Abend aus!“

 

Mamasein ist wunderschön,

doch bedeutet es auch voll im Leben zu steh`n.

Womit man es vergleichen kann?

Mein Alltag fühlt sich oft wie ein Ozean an.

Mal schäumen die Wogen, mal spiegelt das Meer

noch weht sanft eine Brise, schon kommt Sturm daher.

Und im Endlosgewässer, mal rauschend, mal leise

begibt sich ein Schiff auf Abenteuerreise.

Und wir Mütter, wir sind Kapitäne,

wir planen, wir leiten und hoffen und sehnen

wir navigieren bei Tag und bei Nacht

von Sternen geleitet, voraus – volle Kraft!

 

Die Mütterrunde ist gewillt,

mittlerweile hat jede abgestillt.

Schon haben wir motiviert am Sektglas genippt

unsre Oliven in Salsa gedippt –

ein erfrischender Hugo geht sowieso immer

– zack schon sind wir 10 Jahre jünger.

 

Wir sind die ersten im Laden, die das Tanzbein schwingen,

die einzigen, die zu Oldies singen,

und sogar die Jutta pfeift

auf ihre Eiweißunverträglichkeit:

Wie sich da ihre Miene erhellt

als sie sich die Pinacolada bestellt!

 

„Hört her, ihr Mütter, was ich euch sag‘ –

wir pfeifen auf den Muttertag!

Wir wollen eine Mutternacht,

um zu feiern bis es kracht

(oder bis eins der Kinder aufwacht).

Ein Prost-Juche aufs Mutterglück –

die Partyqueens sind wieder zurück!“

 

Doch dann fang ich kurz zu zweifeln an

und heimlich frag ich den Barmann

„Hat man hier notfalls Empfang?“

und hab` mich ganz kurz auf die Toilette verdrückt –

die sms prüfend das Handy gezückt

und flüsternd telefoniere ich heim –

es wär` schön, jetzt bei den Kindern zu sein.

 

Lotte hat Schluckauf und Sigrid gähnt,

Tamara sagt „Es ist sicher schon spät.“

Und Jutta hat als erstes Bedenken

und spricht das aus, was alle denken:

„Morgen heißt es eh aufsteh`n,

wollen wir nicht nachhause geh‘n?“

Wir steh`n dazu, wir sagens laut:

wir können nicht aus unserer Haut.

Und wenn wir auch mal feiern und tanzen –

sind wir doch immer daheim, in Gedanken –

„Kommt Partylöwinnen, lasset und geh`n,

Immerhin ist es schon halb 10.“

 

Sanft benebelt, ein bisschen benommen,

tut es ganz gut nachhause zu kommen.

Doch dort hat kein Baby nach uns gekreischt –

von der nächtlichen Ruhe fast schon enttäuscht

werden wir noch einmal nach den Kleinen seh`n

und dann zufrieden zu Bette geh`n.

 

Doch – kurz vor dem Einschlafen fällt es mir ein

und ich murmle noch leise folgenden Reim:

Nicht Matrosen und nicht Kapitän-

viel mehr als das, wie wunderschön:

WIR MÜTTER, JA, WIR SIND DAS SCHIFF.

wir schaukeln und schwanken, aber sinken doch nicht.

Wir sind Land und Wasser und Himmel und Wind

Liebe ist unser Kompass, du der Pol, kleines Kind.

 

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